Am Samstag, dem 10. Oktober 2026, reisten der Präsident von AHA Lëtzebuerg, Bob Reuter, und Schatzmeister Dirk Leistico nach Oberwesel am Mittelrhein.

Die Einladung kam von Rainer Rosenzweig, dem Präsidenten des Humanistischen Pressedienstes (hpd). Er hatte AHA Lëtzebuerg eingeladen, sich vor Ort ein Bild davon zu machen, was der hpd ist und wie er arbeitet, wie AHA Lëtzebuerg zur Gemeinschaft beitragen könnte und was die Vereinigung von einer Mitgliedschaft als zahlendes Mitglied hätte. Die beiden Vertreter von AHA Lëtzebuerg nahmen als Beobachter und Gäste an der Mitgliederversammlung teil. Sie erlebten, wie Rainer Rosenzweig als Präsident und Ricarda Hinz als Schatzmeisterin wiedergewählt wurden. Der Historiker Carlos Collado Seidel wurde neu zum Vizepräsidenten gewählt; er folgt auf Lisa Arnold, die nicht erneut kandidierte. Die Versammlung beschloss zudem eine geänderte Beitragsordnung, nach der AHA Lëtzebuerg für 500 Euro im Jahr Mitglied werden könnte. Außerdem stellte der hpd seine kürzlich überarbeitete Website mit neuen Funktionen und neuem Erscheinungsbild sowie sein modernisiertes Logo vor.

Die Mitgliederversammlung des hpd im Haus Weitblick, Oberwesel, 10. Oktober 2026.

Die Mitgliederversammlung des hpd im Haus Weitblick, Oberwesel, 10. Oktober 2026.

Da viele Mitglieder den hpd vielleicht nicht kennen, hier eine kurze Vorstellung. Der Humanistische Pressedienst wurde im Oktober 2006 in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt, mit dem Ziel, dem säkularen Humanismus in Deutschland eine Stimme und den Medien eine zentrale Anlaufstelle zu geben. Getragen wird er von einem gemeinnützigen Verein, der politische, kulturelle und gesellschaftliche Debatten im humanistischen Sinne mitgestalten und das Verständnis der Öffentlichkeit für wissenschaftliche Erkenntnisse stärken will. Für das Online-Portal hpd.de ist eine unabhängige Redaktion verantwortlich, deren Arbeit ein Redaktionsstatut regelt. Zu den Mitgliedern des Trägervereins gehören Organisationen wie die Giordano-Bruno-Stiftung, der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten, die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben und der Zentralrat der Konfessionsfreien sowie Partner aus der Schweiz und Österreich. Mit mehreren Millionen Seitenaufrufen im Jahr bezeichnet sich der hpd als das wichtigste Online-Medium der freigeistig-humanistischen Szene im deutschsprachigen Raum. Er berichtet über Politik, Religion, Wissenschaft, Gesundheit und Selbstbestimmung, stets aus säkularer Perspektive.

Die Versammlung fand im Haus Weitblick statt, das der Giordano-Bruno-Stiftung gehört. Es ist ein wunderbarer Ort, um Menschen zu begegnen, gemeinsam zu essen und zu trinken und bis spät in den Abend zu diskutieren, und genau das geschah. Die Delegierten von AHA Lëtzebuerg verbrachten den Nachmittag und Abend mit Humanisten, Atheisten, Agnostikern und Freidenkern aus ganz Deutschland, in Gesprächen, die ebenso herzlich wie anregend waren. Zudem bot sich die Gelegenheit, Michael Schmidt-Salomon wiederzusehen, Philosoph, Autor und Mitbegründer der Giordano-Bruno-Stiftung. Er ist AHA Lëtzebuerg seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden und war eng an der Gründung und dem frühen Wachstum der Vereinigung beteiligt. Im November 2010 hielt er bei der allerersten öffentlichen Vorstellung von AHA Lëtzebuerg in Luxemburg-Stadt vor vollem Saal den Vortrag „Glaubst du noch oder denkst du schon?“. Der hpd berichtete damals über diesen Abend.

 Die Bibliothek im Haus Weitblick, das der Giordano-Bruno-Stiftung gehört.

Die Bibliothek im Haus Weitblick, das der Giordano-Bruno-Stiftung gehört.

Der Blick vom Haus auf den Rhein zeigte allerdings auch etwas weniger Erfreuliches: wie wenig Wasser der Fluss derzeit führt. Nur wenige Kilometer flussaufwärts fiel der Pegel Kaub, das Nadelöhr der gesamten Rheinschifffahrt, am 1. Oktober 2026 auf minus sechs Zentimeter, den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880. Der bisherige Rekord stammte aus dem Jahr 2018. Ein einzelnes trockenes Jahr beweist für sich genommen nichts, das Muster aber schon: 2018, 2022 und nun 2026 brachten an mehreren Rheinpegeln Rekord- oder rekordnahe Tiefstände, und langfristige Projektionen gehen davon aus, dass der sommerliche Niedrigwasserabfluss am Pegel Kaub weiter zurückgeht. Der Klimawandel ist real, sichtbar und hat bereits Folgen, die niemand guten Glaubens leugnen kann.

Niedrigwasser im Rhein: freigelegte Sandbänke im Flussbett, gesehen vom Haus Weitblick.
Niedrigwasser im Rhein: freigelegte Sandbänke im Flussbett, gesehen vom Haus Weitblick.

Im Anschluss an die Versammlung sprach Jacques Tilly, der Düsseldorfer Künstler, der für seine satirischen Karnevalswagen berühmt ist. Sein Vortrag trug den Titel „Wer hat Angst vor Pappmaché?“. Tilly ist ein engagierter Aktivist, der seine Kunst gegen Faschismus, Menschenrechtsverletzungen und Ungerechtigkeit einsetzt und dabei religiöse Dogmen jeglicher Art nicht verschont. Seine Schilderung, wie ein Karnevalswagen zu einem Akt des Widerstands werden kann, erinnerte daran, dass Satire eines der schärfsten Werkzeuge der Aufklärung ist.

Jacques Tilly bei seinem Vortrag „Wer hat Angst vor Pappmaché?“ im Haus Weitblick.

Jacques Tilly bei seinem Vortrag „Wer hat Angst vor Pappmaché?“ im Haus Weitblick.

Bemerkenswert war auch, wie Luxemburg von Deutschland aus gesehen wird. Mehrere Teilnehmende erzählten den Delegierten von AHA Lëtzebuerg, sie seien begeistert und ein wenig neidisch auf das, was dort erreicht wurde: die Neuordnung der Beziehungen zwischen Staat und Religionsgemeinschaften, die Ersetzung des Religionsunterrichts an den Schulen durch einen gemeinsamen Werteunterricht und eine weltliche Zeremonie zum Nationalfeiertag. In Deutschland genießen die Kirchen nach wie vor erhebliche Privilegien und einen politischen Einfluss, der weit über ihren tatsächlichen Rückhalt in der Gesellschaft hinausgeht. Inzwischen gehört weniger als die Hälfte der Menschen in Deutschland einer der beiden großen Kirchen an, und doch handeln politische Verantwortliche oft so, als sei das Land weit religiöser, als es ist. Von dort aus betrachtet erscheint Luxemburg als Vorbild. Es tat gut, daran erinnert zu werden, wie weit das Land gekommen ist, und ebenso daran, dass die Arbeit noch nicht getan ist: Der Staat finanziert weiterhin anerkannte Religionsgemeinschaften, und nichtreligiöse Menschen werden noch immer nicht gleich behandelt.

Die Delegierten kehrten mit einer klaren Überzeugung zurück: Eine säkulare Presseagentur, die über humanistische Positionen und über die Privilegien berichtet, die Religionen noch immer genießen, ist keine Selbstverständlichkeit, und es ist wichtig, dass es sie gibt und dass sie gedeiht. Ob AHA Lëtzebuerg Mitglied wird, entscheidet nun der gesamte Vorstand, doch der Besuch hat reichlich Stoff zum Nachdenken gegeben.

Blick von der Terrasse des Hauses Weitblick über Oberwesel und das Rheintal.

Blick von der Terrasse des Hauses Weitblick über Oberwesel und das Rheintal.

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